Agar Agar – Cardan (LP)

AGAR AGAR? Wer ist das denn?

Ein ziemlich lässiges Elektro-Pop-Duo aus der französischen Hauptstadt. Clara und Armand sind auf dem besten Wege perfekt auf die hippe Zielgruppe zugeschnittene Musik zu machen und damit sehr erfolgreich zu werden. Nach Phoenix und La Femme könnten die beiden außerdem DER neue Indie-Export aus Frankreich werden. Englische Lyrics, ein Sound der sowohl Pop- als auch Indie- und Elektro-Fans anzieht und ein leicht überhebliches Image. Mit „Cardan“ haben Agar Agar in 2016 auch bereits ihre erste große Veröffentlichung am Start gehabt. Das Ganze kann mit seinen fünf Stücken und 30 Minuten sowohl als EP oder Album bezeichnet werden. Wie auch immer

Wieso sollte ich mir „Cardan“ anhören?

Irgendwie machen Agar Agar ziemlich schnell süchtig. Dabei ist es nicht so, dass man etwas Derartiges noch nie gehört hätte. Sympathisch ist, dass sich das Duo wirklich vollkommen auf die elektronischen Elemente konzentriert. Hier wird kein Schlagzeug simuliert, es gibt keine Pseudo-Live-eingespielte-The-Cure-Gitarre. Clara und Armand verstecken sich einfach zwischen ihren analogen Synthesizern und Drumpads und hauen fünf Songs in ähnlicher Struktur und nahezu identischem Tempo raus. Manchmal wird es dabei ein bisschen schräger („Cuidado, Peligro, Eclipse“), manchmal deutlich zielgerichteter wie im coolen Hit „Prettiest virgin“. Auf jeden Fall sind Agar Agar nicht für Kompromisse zu haben. Dann dauern eben auch mal alle Tracks über fünf Minuten und haben einige repetitive Momente. Dadurch kreieren die Pariser immerhin eine eigenständige Stimmung zwischen Nachtclub und abgespaceten Bandkonzert. Und das alles auf Platte!

Welches sind die großen Momente auf „Cardan“?

Wenn für kurze Zeit die wummernden Elektro-Bässe mit schönen Melodien verbunden werden. Dabei werden jene Stellen umso schöner, wenn der Kontrast besonders groß ist. Im wütenden „Symbiose“ gibt sogar leicht geschriene Spoken-Work-Stellen, die von einem Club-Ready-Bass begleitet alles nieder Trümmern. Doch diese Parts wechseln sich ganz fein ab mit netten kleines Synthie-Spielchen, über die Clara in Pop-Manier singt. Der Opener „I’m that guy“ baut sich im Gegensatz dazu gemächlich im Down-Tempo auf. Nur ein analoger Bass begleitet zunächst Claras nölige Stimme. „Give me goosebumps“ singt die Französin – und dann kommt die Gänsehaut. Armand zieht ein paar Synthie-Schichten drüber und Clara singt befreiter, in höherer Stimme. Geile Auflösung!

Wann sollte ich „Cardan“ am besten auflegen?

Trotz der häufig düsteren Stimmung eignet sich „Cardan“ wohl am Besten als Einstimmung auf einen freien Abend oder eine Ausgeh-Nacht. Agar Agar sind für den Moment da, in dem die Personen anfangen zu schunkeln, vielleicht sogar auch schon ein bisschen tanzen. Für die fette Elektro-Party fehlt dann vielleicht doch der letzte Drive – als wunderbar melodische Einstimmung mit dicken Bässen eignet sich „Cardan“ jedoch ganz vorzüglich.

Ihr wollt mal reinhören? Dann benutzt entweder den Player über dem Beitrag oder hört „Im that guy“ im that new music mix unter und neben dem Beitrag!

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