City Light Thief – Somersault (Song)

Was für ein Emotionsbündel. Mit dem wunderbaren „Somersault“ hauen die Kölner Post-Hardcorer von City Light Thief ein angenehmes und doch raues Brett raus. Wahnsinnig viele verschiedene Stimmungen prallen im neuen Song aufeinander. Benni Mirtschin gibt im Interview Auskunft über die Aufnahmesession, die Lyrics, das Songwriting und das tolle Musikvideo.

Wie ist dieser Track ganz zu Beginn entstanden?

Die musikalische Grundidee von dem Song war eine der ersten Songschnipsel, die Tobi für das Album schrieb. Allerdings fehlte da der Refrain-Part noch komplett, der, wenn ich es richtig erinnere, etwas später von Mario geschrieben wurde. Wir haben uns früh dazu entschieden, dass der Song jetzt „fertig“ ist, obwohl er für unere Verhältnisse sehr schnörkellos ist.

Eine kleine Anekdote zu den Aufnahme-Sessions?

Wir haben NOTHING IS SIMPLE in drei Sessions aufgenommen, „Somersault“ wurde in der Zweiten im Oktober 2017 aufgenommen. Ich glaube es war der erste Song, der nach Death Trip und Trickster, wirklich „fertig“ wurde. Der Entstehung ging erstaunlich fix, die Melodien haben sich alle schnell gefunden. Wir mussten nur wahnsinnig oft, in drei Anläufen an drei verschiedenen Tagen, die Refrain-Gesänge neu aufnehmen. Entweder war meine Spur gut, aber der Chor darüber war noch besser aber etwas länger, weshalb ich meine Spur nochmal neu einsingen musste, oder halt anders herum. Meine finalen Spuren habe ich dann, mit von Katzenallergie entzündeten Augen, in Tobis Wohnzimmer zwischen den Kratz- und Kletteranlagen seiner Katzen aufgenommen.

Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment?

Der Übergang zwischen der zweiten Strophe und der zweiten Bridge, bei circa 2:38, ist mein Lieblingsmoment in dem Song. Die Stelle wirkte vorher komisch leer, und da haben wir mit ein paar gesungenen Melodiebögen herumgespielt. Die Spur, die man jetzt auf der Aufnahme hört, war mehr oder weniger ein erster Versuch von Tobi, der ohne vorher genau zu wissen was er singen möchte, einfach improvisierte. Aufgenommen im Sitzen, ebenfalls in seinem Wohnzimmer.

Worum geht’s in den Lyrics?

Um die Vorstellung, von einem auf den nächsten Moment nicht mehr „da“ zu sein. Was würde genau passieren, wenn du hier und jetzt einfach zusammenklappst und raus aus dem Leben bist. Sind dir dann die Sorgen, die du dir tagtäglich immer gemacht hat, wirklich noch wichtig? Oder merkt man mit Abstand, und nichts mehr zu Verlieren, dass das Leben unterm Strich doch nie so schwer, wie es sich manchmal angefühlt hat. Ich habe das für mich im Kopf durchgespielt und bin zu dem positiven Schluß gekommen, dass es halt am Ende immer nur auf deine Perspektive ankommt.

Was ist deine liebste Zeile aus dem Song?

Obwohl direkt die erste Zeile „died in a record store when I was 28“ auch die erste Zeile ist, die ich konkret für das Album schrieb, und sie mir deshalb irgendwie wichtig ist, entscheide ich mich für „take the whitewash off, make your guilty plea. they say in afterlife, nothing’s embarassing“. Das ist im Prinzip die Essenz: Du hast es jetzt geschafft, du brauchst nichts mehr zu Verstecken, du hast jetzt Frieden. Da wo du jetzt bist, ist der ganze weltliche Ballast vollkommen egal und vergessen. Jetzt kommt die Zeit zum Durchatmen.

Wieso habt ihr euch entschieden diesen Track vorab auszukoppeln?

Wir mochten, dass der Song durch viele der von uns beackerten Soundfelder galoppiert. Es gibt Geschrei, es gibt Brachiales, aber es gibt auch diesen großen, melodischen Refrain. Alles einigermaßen verständlich in fast genau 4 Minuten. Außerdem entwickelte sich schnell eine visuelle Idee vor unseren Augen bei dem Song, so dass die Wahl relativ schnell auf „Somersault“ fiel, als es darum ging ein Video zu drehen.

An welcher Stelle spielt ihr Stück auf der Bühne?

Auf der kleinen Tour über Ostern haben wir den Song so ziemlich in der Mitte des Sets platziert. Der Song wird aber definitiv ein „Springer“ werden, der auch gut ganz am Anfang oder eher zum Ende eines Konzerts passt. Ein Multifunktionslied!

Wie steht das Musikvideo im Bezug zum Song?

Wir fangen erstmal ganz nah am Text an: während ich „died in a record store when I was 28“ singe, liege ich auf dem Boden unseres Lieblingsplattenladens Underdog in Köln. Allerdings bin ich inzwischen 29, das stimmt also nicht mehr so ganz… Das Video zeigt dann, dass Alles weiter seinen Gang geht, auch wenn du nicht mehr da bist. Ich finde diesen Gedanken beruhigend, weil ich im Alltag so oft das Gefühl habe, dass Dinge nicht passieren wenn ich jetzt nicht endlich abliefere und meinen Teil leiste. Das Video zeigt, dass man manchmal gar nicht essenziell für das große Ganze ist, und diese Akzeptanz ist wunderschön.

Zu welchem Zeitpunkt sollte ich den Song auflegen?

Bitte mit Kopfhörern, fast ganz laut aufgedreht – nicht bis zum Anschlag, nicht so, dass es wehtut. Auf dem Weg nach Hause, am besten so zwischen Mitternacht und 1 Uhr, wenn der Tag anstrengend war, und man eine positive Message für die Nacht braucht. „Let go of your heavy heart, you’ve always been worrying too much.“

Das ganze Album „Nothing is simple“ erscheint bald digital – und ein bisschen Baldur auf klassischem Tonträger. Hier könnt ihr City Light Thief live sehen, weitere Daten folgen: 04.05. Köln, Artheater (Release Show) 07.07. Halver, Hardcore Help Foundation Festival MerkenMerken MerkenMerken

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