Die besten B-Seiten von Muse

Hach, was war das toll, als Bands noch B-Seiten veröffentlichten. Vor allem, wenn diese fast genauso interessant waren wie die eigentlich ausgekoppelten Singles. Bei der neuen Muse-Single „Dig down“, die am 19. Mai erscheinen soll, darf man wohl eher nicht auf gutes Zusatzmaterial hoffen. In ihrer Vergangenheit haben die Briten dafür gerade bei den B-Seiten brilliert. Ein Überblick der besten so veröffentlichten Songs.

5. Shrinking universe

Als B-Seite zum großen, rasanten „New born“ liefert „Shrinking universe“ ein gut passendes Gegenstück. Eigentlich jedoch unverständlich, dass ein relativ eingängiger 3-Minuten-Track als B-Seite für ein 6-Minuten-Epos herhält. Wie dem auch sei, „Shrinking universe“ geht gut nach vorne mit Tremolo-Gitarren und einem straighten Schlagzeug, das vom Fuzz-Bass angetrieben wird. Der wirklich tolle Teil des Songs ist jedoch die einzigartige Bridge, in der Matthew Bellamy zu sich langsam aufbauender Instrumentierung einfach nur – ja, schreit! Aber es klingt gut. Ein Ton, der die Wassergläser zerklirren lässt und sich trotzdem nicht verkehrt anfühlt. Und schwupp, geht es wieder in den melodiösen Refrain und die leichte Dissonanz löst sich langsam auf.

4. Forced in

Der wohl ruhigste Song dieser Auflistung eignet sich übrigens wunderbar als Intro und ist zeitgleich im Vergleich zu den anderen Tracks der Opa. Das zerbrechliche und intime „Forced in“ erschien tatsächlich schon in den 90ern – auf der „Uno“-Single – und ist ein Song, bei dem es einem nicht so leicht fällt im ersten Moment die Instrumente auseinanderzuhalten. Ist das eine Gitarre, ein Synthesizer oder gar Matthew Bellamy im Vocoder, der da über den sphärischen, schleppenden Beat tönt? Die Vermutung liegt bei Letzterem – oder im Zweifel einer Mischung aus allem. Zu den verfremdeten Menschenstimmen kommen angezerrte Akustikgitarren mit ordentlich Hall, die hier quasi als Lead-Gitarren funktionieren und letztlich das ganze Lied ausmachen. Ein wunderbares Rockorchester!

3. Futurism

Was für ein Kracher! Da entscheiden sich Muse mit „Dead star“ und „In your world“ schon eine Doppel-Single rauszubringen und dann packen sie mit „Futurism“ ernsthaft noch einen weiteren Hit auf die Single? Markant ist dabei neben Matthew Bellamys ordentlich verzerrtem Gesang noch der dominante Basslauf, der Fingerknoten verspricht. Der rockende und doch ungewöhnliche Refrain setzt dem Treiben der Strophe dann noch die Rock-Olymp-Krone auf. Das ist Muse at their best. Kein Wunder, dass die Fans da ausflippen, wenn das Trio vollkommen überraschend diesen Schatz wieder ausgräbt.

2. Fury

Der Klassiker unter den B-Seiten kommt auf einen wohlverdienten, zweiten Platz. Immer wenn von den überzeugenden Alternativ-Tracks von Muse die Rede ist, fällt der Name „Fury“. Der Track, der übrigens der ein oder anderen internationalen Version von „Absolution“ angefügt war, ist eine wahre Hymne des Prog-Rocks. Bellamy spielt mit seinem Whammy-Pedal, während Howard und Wolstenholme an Drums und Bassist in ihrem trägen Rhythmus alles andere als „amused“ sind und sich förmlich nach vorne schleppen müssen. Ein einziges Drama, das höchstens im himmlischen Refrain so seine Glücksmomente hat und einige Sonnenstrahlen erblickt. Auch der obligatorische Jam darf hier nicht fehlen, wenn sich die Drei im Mittelteil die Zeit nehmen ein bisschen ihre Instrumente zu misshandeln. Zumindest für ein paar Sekunden – oder live für ein paar wenige mehr.

1. Spiral static

Die Nummer 1 dieser Liste wurde bereits im Jahr 1997 geschrieben und aufgenommen und sollte letztlich auch auf dem Muse-Debüt „Showbiz“ vertreten sein. Schlussendlich hat es „Spiral static“ aber nur auf die Japanese-Edition jenes geschafft und wurde als B-Seite zu „Plug in baby“ (und damit einige Jahre später) veröffentlicht. Während Matt Bellamy sagt, dass „Showbiz“ mit „Spiral static“ kompletter gewesen wäre, erfreuen wir uns einfach an diesem phänomenalen Einzelsong, dessen Titel übrigens die Ruhe vor dem Sturm beschreibt. Genau so fühlt man sich auch im ruhigen Intro, welches die großen Soundexplosion ankündigt, in der Bellamy jault und jault und jault. Aber eben so unglaublich schön. Im Kontrast dazu stehen die unglaublich tief gesungenen Strophen. So hat man Bellamy tatsächlich nie wieder erlebt. Und siehe da, das MuseWiki weiß es: „Spiral static“ umfasst die größte Vocal-Range aller Muse-Songs (fast drei Oktaven) und den niedrigsten, aufgenommen Ton von Bellamy. Na, wenn das mal nichts ist.

Euch hat das gefallen und ihr wollt noch mehr entdecken? In dieser Spotify-Playlist findet ihr die TOP 5 und weitere B-Seiten-Highlights wie das düstere „Hyper chondriac music“ oder das Instrumental „Minimum“.

Außerdem ist das erstplatzierte „Spiral static“ im aktuellen that new music mix zu finden. Diesen findet ihr auf dieser Seite überall.

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