Die wichtigsten Erkenntnisse vom Dour 2017

Was war das für ein schönes Wochenende war das auf dem Dour Festival. Neben einem ausführlichen Video-Blog hat that new music blog außerdem wichtige Erkenntnisse aus Belgien mitgemacht. Hier die Top 5.

5) Elektro ist in – und auf Festivals auch geil

Hand aufs Herz: Für jegliche Musik ohne Melodie und DJ-Sets fehlt mir zumeist die Begeisterung. Nein, auch nicht im Club. Wenn das ganze Iffzz-Iffzz-Gewummere nun aber im Sommer, auf tollen Bühnen und unter freiem Himmel dargeboten wird, kann ich dem auch einiges abgewinnen. Ein Ausflug zur immensen Elektropedia lohnt sich auf dem Dour Festival sowohl tagsüber als auch nachts. Mit fetten Visuals und gutem Sound geht da schon einiges. Den Festivalbesuchern scheint das Elektro-Lineup auch ordentlich zu munden. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass ungefähr die Hälfte des Publikums vor allem aufgrund der zahlreichen DJ-Sets auf dem Dour ist. Schließlich wirken viele Bands nachmittags in den riesigen Zelten etwas verloren. Ab 23 Uhr ­– und somit der kompletten Übernahme durch Elektro-Acts – sind die Bühnen da schon deutlich gefüllter, wenn nicht sogar übervoll. Die Leute haben Bock auf Techno, D’n’B und Co. Ist auch okay. Funktioniert hier nämlich tatsächlich ganz wunderbar.

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4) Läuft bei Belgien!

Das kleine Ländchen hat eine durchaus beeindruckende Musiklandschaft, die auf keinen Fall hinter Stromae und Balthazar aufhört. Künstler verschiedenster Stilrichtungen durften sich zu später und früher Stund auf dem Dour die Ehre geben. Dabei sind manche Bands schon weiter (Bazart, die als neue Indiepop-Hoffnung gesehen werden), andere spielen noch zur Mittagszeit vor einem längst nicht halbvollen Zelt (Endz). Erstaunlich ist dabei die Vielfalt und Kreativität jener Acts, die zwischen 08-15-Indie wie Mountain bike und spektakulärer Instrumental-Artistik von Wuman und Glass Museum schweben. Natürlich werden die lokalen Bands vom Dour auch besonders gepusht – und das zu Recht.

3) Einen Dub Corner bräuchte es auch im Alltag

Keine andere Bühne auf dem Dour Festival verlässt man so zuverlässig mit einem Lächeln wie diese. Selbst als Reggae-Dub-Amateur lässt sich schnell Gefallen am Dub Corner mit seiner entspannten Stimmung und den lauten Bässen finden. Hätte ich vorher nicht gedacht, aber nach fünf Tagen mit mindestens einer halben Stunden Dub-Dosis könnte ich mich daran gewöhnen. Ob’s irgendwann mal zu einem Festival à la Summerjam reicht sei dahingestellt. Ein bisschen mehr Dub im Alltag ist aber ab jetzt sehr gerne angesagt.

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2) Im Festivaluniversum mutiert man zu einem anderen Wesen

Und zwar ganz unabhängig davon, ob man irgendwelche Substanzen zu sich nimmt. Das Klischee, welches besagt, dass Festivals Orte außerhalb der Zivilisation sind und ein Eigenleben entwickeln, wird auf dem Dour Festival eindeutig bestätigt. Nicht umsonste finde ich mich am ersten Abend bereits Pfandsammeln – eine kleine aber durchaus feine Idee. Der Deal: Sammel 40 Plastikbecher (auf denen kein Pfand ist) ein und du bekommst ein kleines Bier oder Ähnliches. Was als nettes Geldspar-Instrument beginnt, entwickelt sich über das Festival zum süchtig machenden Super-Mario-Dungeon. Es hört gar nicht mehr auf. Da ein Becher, da ein Becher und weiter, hopp, hopp. Dreckige Hände? Verdammt, egal! Immerhin Freigetränke. Würde man zuhause auch nicht machen. Oder doch?

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1) Liebe schlägt Bekanntheit

Eindrucksvoll beweist das Dour Festival auch 2017, dass ein liebevoll zusammengestückeltes Lineup den Kommerz von Lollapalooza und auch RaR, Hurricane und Co. eindeutig schlägt. Die Zahlen geben den Organisatoren Recht, wurde doch erneut der Besucherrekord gebrochen (um die 50.000 pro Tag). Damit wird das teils gewagte und mutige Booking und Konzept belohnt. Ein Blick auf das Festivalplakat zeigt bereits, dass das Dour-Team nicht die großen Namen und den Kommerz in den Vordergrund setzt, sondern mehrere Dutzend Acts in gleicher Schriftgröße präsentiert. Klar, auch das Dour Festival ist auch auf große Namen wie M.I.A., De La Soul, Justice, Phoenix oder Die Antwoord angewiesen. Die „Headliner“ sind hier aber nicht das Zugpferd. Die Leute kommen wegen der Vielfalt, wegen der coolen Bands um 14 Uhr, dem Elektro-Programm bis in die späte Nacht – und geben damit den Musikexperten im Booking Recht. Genauso muss das!

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