EUT – Party time (Album)

Ganz schön frech im Februar 2021 eine Platte einfach mal „Party time“ zu betiteln. Damit hat die niederländische Truppe EUT aber auch weitgehend ihr Provokationspotential in die musikalische Waagschale geworfen. Auf dem Blatt liest sich die Historie des Quintetts erstmal herzlich unspektakulär: Fünf Musikstudierende aus Amsterdam setzen sich für ihr Abschlussprojekt zusammen, stoßen dabei auf ihre gemeinsame Vorliebe für 90s-Alternative-Rock und gründen eine Band, der sie ein bis heute ungeklärtes Akronym als Namen verpassen. Soweit nichts Neues im Indie-Universum, zumal der gut zwei Jahre alte Erstling „Fool for the vibes“ keine schäumenden Wellen schlug. Wenig aufregende Power-Pop-Tracks wie die titelgebende Vorabsingle von „Party time“ spinnen das Narrativ sowie den Standart-Drumbeat weiter. Was jedoch auf längst vergessene Samstagabende zutrifft, ist auch hier lohnenswert. Wer nicht fürs zweite Kaltgetränk bleibt, verpasst meistens eben doch etwas Spannendes. EUT stoßen mit der Gesamtheit der elf Songs zwar keine neue Indie-Welle an, bewerben sich aber mit kleinen, experimentellen Nuancen für erhöhte Aufmerksamkeit. Der Opener „What gives you the kicks“ setzt etwa auf einen ungewöhnlichen Fuzz-Bass, der erst im Refrain wieder von verzerrten Indie-Gitarren konterkariert wird. Ähnliche Samples stützen das rhythmische „Cool“, in dem Megan de Klerks luftiger Gesang mehr als nur einen Hauch an Nina Persson von The Cardigans erinnert. Das rumpelnde „When I dive“ sowie der tanzbare Hit „Had too much“ begeben sich hingegen auf Spuren jüngerer Bands wie Black Honey und Sløtface und bewerben sich gleichermaßen als Soundtrack zukünfigter Coming-of-Age-Netflix-Serien. Während EUT hier Talent für gute Pop-Melodien und deren adäquate Verpackung auf einem Indie-Album beweisen, summiert das Highlight „Stuck“ die erfrischende Kreativität, mit dem sich die Band erfolgreich aus der Belanglosigkeit hievt. Im Midtempo schunkeln sich die Niederländer in einen bittersüßen Refrain, der nicht nur mit der wiederholten Nennung des F-Worts elektrisiert. Im Zwischenpart wird in softer Yeah-Yeah-Yeahs-Manier gezappelt, ehe der Track überraschend in einem verspielten Instrumental-Interlude mündet – eine weitere unvermittelte Abwechslung, mit der sich die Platte einen Gefallen tut. Wer hier direkt abschaltet und zur nächsten Party zieht, tätigt nicht unbedingt die beste Entscheidung. Und verzichtet damit auf einen vielleicht nicht wilden und innovativen, aber sicherlich spaßigen Samstagabend.

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