LIAM vs. NOEL

Dass Liam wieder Songs für Noel schreibt, bleibt wohl ein hoffnungsloser Wunsch einer inzwischen ziemlich bekannten Chemnitzer Kapelle. Denn selbst wenn jene Jungs mit K mittlerweile die großen Festivalfelder zu später Stund füllen, lassen sich die beiden Oasis-Brüder davon nicht wieder zusammenbringen. Stattdessen kommt es nun zum absoluten Showdown, wenn die Gallaghers im Herbst innerhalb von einigen Wochen jeweils ein Soloalbum veröffentlichen. Und das allerbeste: dieses Mal könnte das Duell sogar spannend werden. Im Voraus bietet that new music blog einen nicht immer ganz ernst gemeinten Vergleich der Skandalnudeln in fünf Anspekten. Wer kann den Kampf wohl für sich gewinnen? Choose your sides! Team Liam oder Team Noel?

Songwriting

Klare Sache. Selbst wenn Liams Material der letzten Jahre durchaus passabel war und er mit „I’m outta time“ auch einen der besten, späten Oasis-Songs geschrieben hat: Kann man es ernsthaft mit einer Person aufnehmen, die „Don’t look back in anger“, „Live forever“, „Slide away“, „The masterplan“ und dann auch noch die alte Nudel „Wonderwall“ geschrieben hat? War natürlich eine rhetorische Frage. Nun könnte man erwidern, dies sei schon lange her. Ist auch so. Doch trotz einer kleinen Schwächephase in den 2000ern – hier sind trotzdem Hits wie „Where did it all go wrong?“ oder „The importance of being idle“ entstanden – kann dieser Punkt nur an Noel gehen. Liam mag mit dem starken „Wall of glass“ zwar aufgeholt haben, die Songwriting-Qualitäten der beiden Noel-Platten sind dem aber weit voraus. Von „The dying of the light“ oder „AKA…What a life“ träumt Liam nachts heimlich. Kann er nur nicht zugeben. KLARER PUNKT FÜR NOEL

Stimme

Hier gestaltet sich der Vergleich schon schwieriger. Dass Noels dünnes Engelstimmchen zwar auch durchaus markant sein kann, beweisen „The masterplan“ oder „Don’t look back in anger“. Im Gesamten stellt ihn sein Bruder hier an einem guten Tag aber deutlich in den Schatten. Dies fällt vor allem bei den sämtlichen Akustikauftritten auf, in denen Noel die sonst von Liam geträllerten Songs darbietet. Da fehlt häufig der Drive, die Power. Problem für Liam: Ab dem Ende der 90er ging es lange dauerhaft bergab mit der Kratzkehle – Drogen, Kippen und Alkohol sei Dank. Jener besorgniserregender Absturz (unten schön mit „Live forever“-Performances compiliert) führte jedoch glücklicherweise nicht zum absoluten Tod der Stimme. Der alte Liam ist wieder aufgestanden. Bereits während der letzten Oasis-Tour gab es die ein oder andere Sahneperformance. Und auch auf den aktuellen Konzerten kann man erkennen, dass da wieder was geht! Nicht ganz so krass wie früher, aber immerhin wieder mit voller Power. Von daher: PUNKT FÜR LIAM

Attitüde

Sicher eine Geschmackssache. Eigentlich aber eine klare Sache. Während natürlich beide Gallagher einen auf obercool machen, sich bei jeder Gelegenheit mit halbstarken Indie- und Hip-Hop-Acts anlegen, unterscheiden sie sich in ihrer Ausprägung. Noel wirkt zumindest in vereinzelten Interviews wie ein besonnener Mitt-Vierziger und bringt etwas halbwegs Brauchbares zustande, um im nächsten Moment wieder gegen Adele auszuteilen. Bei Liam scheint es nur eine Marschrichtung zu geben: Krawall. Wer braucht eigentlich nochmal Donald Trump, wenn der größte Twitter-Clown doch mit Abstand Liam Gallagher ist. Köstliche Beleidigungen an seinen Bruder und andere quasi unlesbare Tweets lassen teilweise glauben, man hätte es hier mit einem Geisteskranken zu tun. Und obwohl Liam selber von sich angibt sein Leben etwas verändert zu haben, schreit er immer noch gerne „You fuckers“ ins Mikro und nuschelt Bier-trinkend Interviews zusammen. Was all dies heißen soll: Liam ist verdammt nochmal Rock’n’Roll. Das kann man gut oder scheiße finden. Aber dieser Typ ist einfach nur fertig und lebt diesen Lifestyle bis zum Ende. Und diese Art von Type ist doch genau die, nach der die heutige Welt schreit, die sie braucht. Da können die nerdy Spießer-Indie-Bands einpacken. Guckt euch Liam Gallagher an, wie er da mit 125% Arroganz das Mikro zernölt. Sehen zwar bestimmt nicht alle so, aber: KLARER PUNKT FÜR LIAM

Konstanz

Irgendwie auch so eine Sache bei den Gallaghers. In den 90ern haben Oasis so viel gutes Material geschrieben, dass die B-Seiten-Sammlung bei anderer Vermarktung „The masterplan“ ohne Probleme als drittes Album durchgegangen wäre. Mit oder spätestens nach „Be here now“ wurde es dann generell etwas mauer. Da verlässt mal einer der Brüder die Band, dann wird generell die gesamte Besetzung ausgetauscht und die Hits werden auch spärlicher. Im Gegensatz zu Liams Stimme konnte man sich aber immer sicher sein, dass Herr Gitarrist Gallagher zumindest einen genialen Track pro Album raushaut. Und auch der spätere Solo-Output zeigt, dass Noel hier die Finger vorne hat. Während man auf den beiden High-Flying-Birds-Alben nach bösen Ausfällen sucht, gibt es doch so einige mäßige Beady-Eye-Tracks. Auf Albumlänge ist Noel wohl mehr zuzutrauen. PUNKT FÜR NOEL

Größe der Klappe

Schade. Jetzt scheint es wohl auf eine Kategorie anzukommen, in der beide Oasis-Legenden nicht allzu gut abschneiden. HAHA. Spaß beiseite. Die Königsdisziplin dieses Vergleichs ist aber durchaus eine der schwierigen Art, da die Beurteilung nicht so leicht fällt. Von daher habe ich mich mal auf die Suche der größenwahnsinnigsten Zitate der beiden gemacht. Eine kleine Auswahl:

NOEL:

“Look. I was a superhero in the ’90s. I said so at the time. McCartney, Weller, Townshend, Richards, my first album’s better than all their first albums. Even they’d admit that.”

“He’s rude, arrogant, intimidating and lazy. He’s the angriest man you’ll ever meet. He’s like a man with a fork in a world of soup.” (über Liam)

“Didn’t go into rehab like all me mates did – fucking lightweights.”

“I fucking despise hip-hop. Loathe it. Eminem is a fucking idiot and I find 50 Cent the most distasteful character I have ever crossed in my life.”

Diese und mehr Zitate

LIAM:

„Everyone’ll be calling their kids Beady Eye by the end of the year“

„We will be as big as the Beatles, if not bigger.“

„There`s Elvis and me. I couldn`t say which of the two is best.“

„Name one rock star in Britain apart from a member of Oasis. Name one!“

“I am a tender, beautiful and loving guy that happens to slap a photographer now and then because they get in my way.”

„I’m Liam Gallagher and I’m in Oasis. The whole world is jealous of me. It should be.“

„If I wasn’t a musician I don’t know. I’d be God, maybe? That would be a good job.“

Diese und mehr Zitate

PUNKT FÜR BEIDE

Drei Punkte für Noel, drei Punkte für Liam. Es bleibt spannend. Die Verlängerung gibt’s dann im Herbst – mit beiden Alben.

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