Muse – Simulation theory (LP) | Review

Review zu „Simulation theory“ von Muse | Ein neues Album von Muse. Während mein Teenager-Ich schon seit Tagen alle Texte auswendig kennt, bemüht sich der Mittzwanziger nicht mal darum „Simulation theory“ vor Release zu hören. Ein bisschen Senf muss ich den alten Helden aber doch ins Gesicht blasen. Deswegen hier die Review.

Um mein Verhältnis zu Muse besser zu verstehen, genügt ein Blick auf die Situation, in der ich diesen Text hier gerade verfasse. Es ist Freitag, der 9. November 2018 – Release-Day von „Simulation theory“ – und nach einem ersten Durchgang beim Frühstück befasse ich mich nun im Zug ein bisschen genauer mit der bereits achten Platte des britischen Trios. Nicht weil ich die Scheibe so unglaublich stark finde, sondern weil ich als ehemaliger Muse-Fan natürlich (!) irgendwas darüber schreiben muss. Vor zehn Jahren hätte ich wohl noch Wochen zuvor bei der Promo-Agentur darum gebettelt, das Album zumindest zwei, drei Tage vorher zu hören. Heute nur so Achselzucken und mehr nicht, damit ich mir die auf der Hand liegenden Kommentare zu Cover-Artwork und Vorabtracks sparen kann. Aber ein bisschen Senf muss ich Matt, Dom und Chris dann doch ins Gesicht schmeißen – schließlich hatten selbst die letzten Muse-Werke immer wieder Zuckerstückchen dabei (siehe „The handler“ oder „Animals“). So höre ich nun also „Simulation theory“ und schwenke zwischen imaginärem Facepalm (was ja mal passieren kann) und Na-gut-so-schlimm-ist-das-jetzt-nicht – zumindest bis zu den Bonus-Tracks, aber dazu gleich mehr. Die 11 Stücke der Platte werden vom bizarren „Algorithm“ eröffnet, welches ohne Dicke-Hose-Beat vielleicht ein bisschen verträglich wäre. Es folgen die zwei stärksten Songs. „The dark side“ sucht ein bisschen in alten Muse-Harmonien und verpackt diese im matschigen Modern-80s-Style, der hier aber noch überraschend gut funktioniert. Das folgende „Pressure“ führt spaßig, wenngleich auch etwas lahmer „Supermassive black hole“ und „Panic station“ weiter. So weit alles gut. Im nächsten Viertel wird’s aber mit „Propaganda“ und „Something human“ urkomisch und beliebig. Da doch lieber „Thought contagion“, welches trotz übertriebenen „Oh-Oh“-Chören noch ein bisschen unterhält ohne peinlich zu werden. Der Rest der Platte ist ähnlich schnell erzählt. „Get up and down“ ist nicht ganz so schlimm wie die meisten Reviews behaupten – denkt man zumindest, bis der Refrain ertönt, den Jared Leto und seine Pseudo-Band vom Mars nicht schlechter hätten produzieren können. Die anderen Songs sind irgendwo zwischen höchstüberflüssig und Totalausfall. Das Urteil zur Platte und der Wendung von Muse im Allgemeinen kann hier nur eigentlich nur ein Vernichtendes sein. Ein bisschen Hoffnung gibt es dann aber doch noch in den Bonus-Tracks, die alternative Versionen bereitstellen. „The dark side“ im ruhigen Piano-Gewand ist zweifelsfrei das Muse-Highlight 2018 und auch „Pressure“ gewinnt in einer Marching-Band-Variante heftig an Drive hinzu. Die Frage: Wieso haben Muse diese Versionen nicht aufs Album gepackt? Klar, mutiger wäre es gewesen – aber der Pop-Appeal geht durch diese alternativen Ausführungen keinesfalls verloren und würde den kommerziellen Erfolg der Platte wohl kaum gefährden. Warum also, Muse? Vielleicht sollte man 2018 Matthew Bellamy und Co. einfach nach derartigen Dingen nicht mehr fragen und akzeptieren: Wer ein derartiges Albumcover auf den Markt bringt kann sich nicht mehr 100% selbst Ernst nehmen – oder hat musikalisch aufgegeben. Die Antwort ist glaube ich jedem selbst überlassen.

Hier könnt ihr selber reinhören und euch eine Meinung bilden:

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