Say Lou Lou (Band) | Portrait + Interview

Portrait und Interview Say Lou Lou | Say What? Say Lou Lou sind nicht einfach nur ein weiterer Stern am gut gefüllten Dream-Pop-Himmel. Das schwedisch-australische Duo trägt auf seinem zweiten Album „Immortelle“ zwar teilweise dick auf, beweist aber Kante mit düsteren Stücken. Lernt Say Lou Lou hier kennen und erfahrt im Interview, wie die zweite Platte entstanden ist.

Gut getroffen:

 

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Musikstil – das sagt das Duo:

„a moody and sensual collection of songs“ sagt die Facebook-Bio, die sich sonst mit Genre-Einschätzungen auffällig zurückhält.

So klingen Say Lou Lou eigentlich:

Spannend zu sehen, dass Say Lou Lou in ihrer eigenen Beschreibung das Label Dream-Pop umgehen, obwohl man damit relativ klar ihre Musik beschreiben könnte. Verträumte Harmonien mit vielen Synthesizer-Schichten und guten Melodien stehen bei dem Duo an erster Stelle und konst die Stücke, die zwischen schwungvoll und melancholisch-träge hin und her schwingen.

Mitglieder:

Unschwer zu erkennen, dass Miranda und Elektra Kilbey Zwillinge sind. Die beiden End-Zwanziger, die nebenbei gerne Objekt von diversen Fashion-Fotoshootings werden, toben sich im Universum von Say Lou Lou in ihrer Zweisamkeit aus. Muss man auch erstmal bringen als Zwillingsgeschwister.

Besonderheit:

Say Lou Lou gelingt, insbesondere auf ihrer neuen Scheibe „Immortelle“, die perfekte Symbiose zwischen dick aufgetragenem Pop und atmosphärischer Indie-Musik. Spannend bearbeite Gesangsspuren schwingen im opulenten Soundbild, welches Mal bedrohlich wird („Limbo“) und dann wieder federleicht ein bisschen Abba in sich versteckt („Golden child“). Die meisten Stücke bieten beide Extreme und treffen damit die wunderbare Mitte zwischen zuckersüßem, aalglatten Dream-Pop und sphärischem Gehasche.

Aktuelles Werk:

Mit nur sieben Songs ist der zweite Langspieler „Immortelle“ zwar nicht ausufernd, dafür aber umso intensiver. Gleich der klirrende, massive Opener „Ana“ macht das mit bombastischen Streichern und einem furiosen Gitarrengeschrubbe im Outro klar. Nach den etwas luftigeren „Golden child“ und „All love to me“ steht vor allem das Ende unter einem wehleidigen Stern. Mit dem im Refrain monumental ausbrechenden Titeltrack endet ein Album, welches für Say Lou Lou die Flucht aus der Corporate-Musikwelt bedeutete. Nach ihrem Debüt ließen die Zwillinge Label und Co. links liegen, um sich außerhalb aller vertraglichen Zwänge selbst verwirklichen zu können. Diesen Mut, diese Freiheit und auch ein bisschen diese Wut hört man „Immortelle“ durch und durch an.

Zentraler Song:

Spät im Album verzückt das wehleidige „Phantoms“, welches aus seiner lethargischen und melancholischen Stimmung keinen Hehl macht. Mit einem bittersüßen Refrain, der über die sanften Streichern und eine Art Celesta hinweg schwebt ist das Stück jedoch reinstes Seelenheil. An keiner anderen Stelle tragen Say Lou Lou derart dick und vielleicht auch ein bisschen kitschig auf – trotzdem bleibt „Phantoms“ herrlich verletzlich und gewinnt gerade durch diese Verbindung noch dazu. Und dann dieser Harmonie-Wechsel im letzten Refrain. Da darf man ruhig mal dahinschmelzen.

Gut gesagt:

I see you standing where I used to be
I feel you frozen when you could be free
Follow me, endlessly
Golden Child

Fun-Fact:

Miranda und Elektra sind nicht nur irgendwelche Zwillinge, was an sich ja schon besonders genug wäre. Sie sind außerdem die Töchter von Steve Kilbey, Leader der australischen Rockband The Church. Letztes Jahr machte Steve mit dem Projekt Kilbey & Kennedy und dessen schönen Album „Glow and fade“ (hier in der Video-Review) auf sich aufmerksam. Das psychedelische Space-Rock-Gen ihres Vaters, der es durchaus mit Pink Floyd aufnehmen kann, haben Say Lou Lou scheinbar auch inne. Zumindest das große „Under the milky way“ weist derartige Züge auf.

Das sagen die Zyniker:

Das bisschen Effekthascherei im Gesang macht aus so gnadenlosen Pop-Stücken noch längst keine interessante Musik.

Passend zu:

Den Abenden, an denen man aus Vernunft mal zuhause bleibt, es aber doch irgendwie bereut und sich dementsprechend schlecht fühlt. Die fantastischen Songstrukturen mitsamt zuckersüßer Melodien – das Ganze trotzdem im wertige Indie-Gewand versteckt – lassen da das Herz ein wenig höher schlagen und heilen schleunigst die angeschlagene Seele.

Drei Fragen an Say Lou Lou

My favorite song of „Immortelle“ is definitely the super sweet „Phantoms“. What is your favorite off the new album and why?

We go through different phases with what our favourite song is… Right now our favourite is ‘Limbo’ – a twisted and dark seductive Russian-inspired tango. It’s the sexiest song on the record, and the string arrangement in the outro is super majestic and commanding. It makes us feel like we want to go to a masquerade ball! 

I feel like the new album is a little darker and more mysterious. What made this change of atmosphere happen?

The desire to explore that part of ourselves in our creativity and as women. We’ve always been attracted to film scores and trip hop, so it felt like a natural progression to us.

After your first album, you kind of „broke up“ with the corporate music world. What was the thing that you were most fed up with at that point?

We just felt like we wanted to explore, develop and create freely without interference. We found it stifling to make music and our art under the corporate conditions, it put a certain pressure on the process that wasn’t healthy for us, we wanted to be in charge of our own destiny.

Bock auf düsteren Dream-Pop, der auch euer Herz höher schlagen lässt? Dann los, los, reinhören!

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