Unter dem Radar: Frankreich

Ganz Europa, vielleicht sogar die ganze Welt, guckt diesen Sonntag nach Frankreich: die Tricolore wählt! Bevor vermutlich eine rechte Populistin und ein Banker die Schlagzeilen dominieren werden, macht that new music blog einen Ausflug in das musikalische Frankreich. In den drei Tagen vor der Wahl werden drei französische Acts vorgestellt, die sich in Deutschland komplett unter dem Radar bewegen.

1. Camp Claude

Gut getroffen:

Für Fans von:

Schöne Pop-Melodien mit vereinzelten Elektro-Spielereien stehen bei Camp Claude im Vordergrund. Hin und wieder mag man ein wenig an The XX (vor allem stimmlich) denken, dann wieder an eher poppigere Acts wie Lorde. In den besinnlichen Momenten klopfen außerdem The Cardigans und Daughter an.

Was muss ich über Camp Claude wissen?

Weder heißt die bezaubernde Sängerin Claude, noch handelt es sich bei Camp Claude um ein Soloprojekt. Als „internationales Trio“ bezeichnen sich Diane (Frankreich), Leo (Schweden) und Mike (UK). In Frankreich ansässig haben die drei im letzten Jahr ihr Debütalbum „Swimming lessons“ veröffentlicht und gleich im Herbst die „Hero“-EP nachgelegt. Wer sich wundert, woher die ganzen schönen Fotos auf Camp Claudes Instagram-Profil kommen? Sängerin Diane ist eigentlich Fotografin und Regisseurin. Und jetzt eben auch Musikerin.

Was ist so besonders an Camp Claude?

Das Trio ist extrem wandelbar. Rock, Pop und Elektro verbinden ihren Musikstil, den sie selbst als „Sky Wave“ bezeichnen. Beim Hören von „Swimming lessons“ fragt man sich teilweise, ob das wirklich dieselbe Band ist. Da gibt es treibende Stücke wie das straighte „Golden prize“ und mit ordentlich Elektronik versehene Tracks wie „Trap“. Im Vordergrund steht dabei die großartige, musikalische Ästhetik. Unterkühlt und immer stilvoll.

Anspieltipp:

Die zuletzt veröffentlichte Hero-EP eignet sich ideal als Einstiegswerk. „Do it“ zeigt die Energie, die in Camp Claude stecken kann, während der Opener „100“ in Surf-Rock-Manier nach vorne prescht. Auch nicht zu verachten: Der Titeltrack, der eingängig dahinschwebt und Dianas Stimme in den Vordergrund setzt.

2. Jeanne Added

Gut getroffen:

Für Fans von:

Düsterem Elektro-Pop mit Frauengesang à la Fever Ray, Polica, Hundreds. Das Ganze wird dann noch mit einer Mysteriösität, die in Richtung PJ Harvey oder Kate Bush geht, versehen. Sehr spannende Mischung!

Was muss ich über Jeanne Added wissen?

Jeanne Added ist eine studierte Musikerin, die erst seit wenigen Jahren selbst im Rampenlicht steht. Zuvor war die Französin als Jazzmusikerin und Songwriterin tätig. Ihr einziges Album „Be sensational“ hat sie dafür auf unendlichen Touren und vielen Live-Sessions promotet. In diesen wird Jeanne häufig von einer weiblichen Band begleitet und spielt selber Bass und Keyboard.

Was ist so besonders an Jeanne Added?

Bereits beim Album, erst recht dann aber auf der Bühne merkt man, dass Jeanne Added eine begnadete Musikerin ist, die darüber hinaus ein Konzept besitzt. Ihre Shows sind auditiv-visuelle Spektakel, in denen die Songs gerne mal zu ausschweifenden 10-Minuten-Versionen werden. Und auch auf Platte besticht Jeanne Added mit einem markanten, klar durchgezogenem Stil. „Be sensational“ klingt wie aus einem Guss und absolut eigenständig von vorne bis hinten. Und: es gibt wunderbare Lyrics. Beispiel gefällig? „There’s a bigger picture/ That says we belong/ All together/ That says we’re strong“ aus „A war is coming“, über Immigration. Nimm das, Marine!

Anspieltipp:

Ihr Album „Be sensational“ besteht aus einem Haufen Perlen, die Elektro-Pop auf die verschiedenste Art und Weise verkörpern. Die eingängigen „It“ und „Back to summer“ werden von schwermütigen Balladen wie „Look at them“ und „Be sensational“ ergänzt. „Miss it all“ verbindet diese beiden Pole wohl am Besten. Hier trifft eine verstörende Strophe auf einen relativ eingängigen Refrain. Mit dem passenden Licht wirkt das Ganze dann noch passender.

3. CaptainCaptain

Gut getroffen:

Für Fans von:

Indie-Rock-Pop mit Disco-Beat und ein bisschen Keyboard. Heißt in etwa Two Door Cinema Club, The Wombats, Metronomy, Phoenix usw.

Was muss ich über CaptainCaptain wissen?

Viel gibt es über die Pariser Band noch nicht zu lesen. Als Quartett haben CaptainCaptain zwei EPs veröffentlicht und mit diesen vor allem in der weiten Pariser-Konzertszene gespielt. Auf einer Show im schönen Supersonic habe ich die Truppe auch entdeckt. Knapp über 500 Facebook-Fans sprechen ihr Übriges: die drei Jungs (Keyboarderin Anne ist vor Kurzem ausgestiegen) müssen noch entdeckt werden.

Was ist so besonders an CaptainCaptain?

Auf den ersten Blick wirken CaptainCaptain wie eine absolut normale, dahergelaufene 08/15-Indieband. Die seichten Gitarrenriffs, Disco-Beat und ein paar Vocals im Kopfstimmen-Format sind de facto auch vorhanden, die Songs überdies nicht besonders kompliziert gestrickt. Der Clou ist aber, dass eben jene einfach funktionieren. Auf „A crossing“ ist jeder Track ein kleiner Ohrwurm, zu dem es sich gut schunkeln lässt. Damit ist die EP mindestens auf dem gleichen Niveau wie der letzte Output von den oben genannten Two Door Cinema Club oder Wombats.

Anspieltipp:

Aushängeschild der letzten EP ist definitiv „Emperor’s new clothes“ – ein astreiner Indie-Pop-Song, der auch in knapp fünf Minuten nicht langweilig wird. Ohrwurm-taugliches Gitarrengeklimper baut Spannung für den Synthie-Refrain auf; Highlight bleibt jedoch die groovende, tanzbare Bridge. Bei mir hat es der Track somit in die Bestenliste 2016 geschafft.

2.

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