We Were Promised Jetpacks – The more I sleep the less I dream (LP) | Review

Review WWPJ | Langer Name, langes Glück. We Were Promised Jetpacks zaubern auch wieder auf ihrem bereits viertem Album „The more I sleep the less I dream“. Jenes gestaltete sich jedoch als eine schwere Geburt, für die die Schotten sich ein Mal neu erfinden mussten und daher nun sehr viel entschlackter auftreten.

We Were Promised Jetpacks? Wer war das gleich nochmal?

Eine durchaus spannende Band, die in ihrer knapp zehnjährigen Existenz bereits die ein oder andere Geschichte zu erzählen hat. Es begann alles mit dem herrlich übersteuerten, schroffen Debüt „These four walls“, welches neben dem an die Indie-Dizze verlorenen „Quiet little voices“ so einige Highlights verzeichnen konnte. Etwas weniger überdreht, dafür aber mit einer zusätzlichen Schippe Monumentalität kam das Quartett aus Schottland auf dem Nachfolger „In the pit of the stomach“ daher. Zwischen intensiven Ausbrüchen und vermehrten Post-Rock-Anleihen konnten epische Meisterwerke wie „Sore thumb“ in langer Erinnerung bleiben, ehe sich „Unravelling“ – die dritte Scheibe der Jetpacks – kompakteren Songformaten widmete und gleich noch ein Stück erwachsener wirkte. Trotz dieser deutlichen Entwicklungen steht die Band aber seit eh und je für den etwas schroffen, teils schrägen Gesang und ein wütendes, dystopisches Gesamtklangbild, welches im unpassenden Moment auch mal etwas überladen und gar stressig aufstoßen kann.

Wie ordnet sich „The more I sleep the less I dream“ nun in die Diskographie ein?

Das vierte Album führt ganz der Floskel nach die eingeschlagene Entwicklung von We Were Promised Jetpacks weiter, weiß dabei auch immer wieder mit Unerwartetem zu überraschen. Dass die Truppe natürlich auch weiterhin unter den zahlreichen britischen Gitarrenbands eindeutig erkennbar bleibt, muss an dieser Stelle auch kaum erwähnt werden. Frontmann Adam Thompson bohrt sich auch weiterhin durch die Instrumental-Wände, wirkt dabei aber stimmlich gefestigter oder einfach bewusst cleaner abgemischt als noch vor gut fünf Jahren. Die Gitarren und Crash-Becken lassen die Schotten auch weiterhin satt krachen, wie „In light“ nach dem eher stimmungsvollen Intro-Song „Impossible“ unmissverständlich zeigt. Wie schon auf der Vorgänger-Scheibe sind nicht nur die Songstrukturen sondern auch der Klang klarer geworden. Die Soundwand von „Make it easier“ lässt zwei Gitarrenspuren, einen auffällig wilden Bass sowie das übliche Schlagzeug-Gehaue ertönen. Auch im etwas ruhigeren Strophen-Teil sind die Instrumente glasklar zu erkennen – wenig bis gar nichts unterscheidet sich hier zu einer möglichen Live-Versionen, was bewusst so geplant ist (siehe nächster Abschnitt). Außerdem verzichten We Were Promised Jetpacks immer mehr auf ihre einst größte Kunst: die epischen Ausbrüche, die besonders viel Energie freizusetzen wussten, hier aber nur bedingt auftauchen. Knaller wie der Mosh-Track „Repeating patterns“ legen lieber direkt energisch los. Neben Mini-Ausbrüchen wie jenem am Ende von „Hanging in“, steht hier vor allem der abschließende Titeltrack für abwechselnde Dynamik im Achterbahn-Modus.

 

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Was muss ich über die Platte wissen, um meine Freunde zu beeindrucken?

Die angenehme Entschlacktheit, die dem Album anzumerken ist, war von den Jungs genau so geplant – und ist als Gegenentwurf zu einer anderen Platte der Band entstanden. Einer, die nie veröffentlicht wurde. Als die Truppe sich nach ellenlangen Tourneen am Ende des Jahres 2014 in einer gewissen Leere befand, war klar: es muss mal wieder in die Heimat gehen. Einer Rückbesinnung auf die Wurzeln und dem Wechsel vom Quintett zum Quartett folgten direkt erste Songwriting-Sessions und eine Platte, mit deren Songs die Schotten aber nur bedingt zufrieden waren. „Zu sehr auf Eingängigkeit gepolt, zu sehr am Refrain orientiert“ sind die Dinge, die das Quartett am neuen Material auszusetzen hat. Deswegen beschlossen We Were Promised Jetpacks ab diesem Moment Stücke „für sich“ zu schreiben – im Einklang mit der Idee, dass diese komplett ausgearbeitet sein sollen, bevor es ins Studio geht. Und so sind die hier erscheinenden Studio-Aufnahmen ganz nah an den Tracks, die von der Band im Proberaum dargeboten werden. Eine weise Entscheidung, die dem in der Vergangenheit hin und wieder unnötig überladenen Sound des Vierers positiv entgegensteuert.

Was sind die großen Momente?

Auch tatsächlich diese etwas ruhigeren und bedächtlichen Momente, auf die sich We Were Promised Jetpacks immer mehr beruhen. Mal funktionieren diese besonders im Zusammenspiel mit den lauteren, intensiven Augenblicken wie in „In light“, welches zwischen rasanten Instrumentalriffs bei Minute 2:00 auf einmal eine Zucker-Melodie auspackt. Aber auch die rein, musikalisch ausgedünnten Momente imponieren, wie die paar Sekunden von „Not wanted“, in denen plötzlich nur noch die Stimme, ein sanfter Bass sowie das Hi-Hat-Drum-Motiv zu hören sind. Ein Experiment sorgt hingegen für das in seiner Gesamtheit überzeugendste Stück. In „Someone else’s problem“ packen die Jetpacks zum ersten Mal in ihrer Karriere (correct me if I’m wrong) den 08/15-Disco-Beat aus, ergänzen diesen aber mit einer fantastisch verzögerten Gitarrenverzierung und einer pointierten Bass-Linie und kreieren damit den stimmungsvollsten Track auf „The more I sleep the less I dream“.

Wann sollte ich die Platte auflegen?

Durch den neu gewonnen Minimalismus ist die vierte Platte der Jetpacks auch salonfähiger geworden als ihre Vorgänger, die in ganz besonderen Momenten zwar richtig reingehauen haben, häufig aber aufgrund ihrer Überladung gar nicht in Frage kommen für den Platz auf dem Plattenteller. „The more I sleep the less I dream“ darf man trotz seiner weiterhin dunklen Grundstimmung auch mal den nicht ganz so großen Musik-Nerds vorspielen. Zum Beispiel jenen, die von der fließenden Melancholie des letzten Foals-Album verzaubert wurden. In einigen Momenten, zum Beispiel der Strophe von „Hanging in“ oder „When I know more“ erinnert nicht nur Sänger Adam Thompson an Yannis Philippakis – auch die einsame, sanfte Atmosphäre der ruhigen Teile gepaart mit großen Gitarren-Parts weist Parallelen zu „What went down“ auf. Wie dieses Meisterwerk ist „The more I sleep the less I dream“ der richtige Soundtrack um an grauen Tagen mit dem Regional-Express durch die Region zu tuckern. Egal ob auf dem Weg zu geliebten Personen oder einfach nur um unterwegs zu sein.

Hier könnt ihr euch in voller Länge von We Were Promised Jetpacks verzaubern lassen.

Und hier euch von den Live-Qualitäten der Schotten überzeugen lassen:

22.11.18 – Luxemburg – Rotondes (LUX)
23.11.18 – Hamburg – Molotov
24.11.18 – Berlin – Lido
26.11.18 – Wien – Chelsea (AT)
27.11.18 – Graz – Postgarage (AT)
28.11.18 – München – Ampere
29.11.18 – Heidelberg – Karlstorbahnhof
30.11.18 – Köln – Luxor
01.11.18 – Amsterdam – Bitterzoet (NL)

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